Volkswagen Fleet Magazine

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Lifestyle  |  Reisebericht


Im Reich des Khan

Rund 8.000 Kilometer von Deutschland entfernt bewegen wir uns auf autonomem chinesischem Gebiet: Die innere Mongolei ist viermal so groß wie die Bundesrepublik – beherbergt aber gerade einmal 2,7 Millionen Einwohner. Viele davon leben heute noch als Nomaden in der weiten, ursprünglichen Steppe.

Woran erkennt man Gastfreundschaft in der Mongolei? An den roten, blauen, grünen und gelben Fahnen, die vor den Jurten im Wind flattern. Ein schönes Zeichen, dass Fremde hier willkommen sind. Ausgangsort unserer Reise ist Manzhouli an Chinas Grenze zu Russland und der Mongolei. Der kulturelle Einfluss der drei Länder ist überall spürbar: Wohntürme mit goldenen Kuppeln und Zwiebeltürme erheben sich neben russisch-orthodoxen Sakralbauten. Unser persönliches Highlight ist die Straßenbeleuchtung, die der Requisite eines auf Zukunft gestalteten James-Bond-Films der 60er entspringen könnte, gepaart mit einer Prise Disney-World.

Ein Muss für jeden Manzhouli-Besucher ist der Platz der Russischen Puppen. In der Mitte des riesigen Areals steht mit 30 Metern die größte Matroschka-Puppe der Welt. Drum herum 200 kleinere Puppen und rund 30 dekorative bemalte Fabergé-Eier mit teils skurrilen Motiven.

Aufbruch in die grüne Weite

Nach so viel urbaner Farbe und Vielfalt machen wir uns am nächsten Tag auf in die grüne Weite der Mongolei – in Richtung Hulun Buir-Grasland. Unterwegs halten wir an drei nebeneinander stehenden Jurten. Die bunten Fahnen versprechen Gastfreundschaft. Tatsächlich haben wir hier die Möglichkeit, die Landschaft auf dem Pferderücken zu erleben. Etwas steif befolgen wir die Anweisungen der Mongolen. Im Anschluss zeigen sie uns, wie Reiten normalerweise aussieht. Die zwei jungen Reiter scheinen auch ohne Sattel mit dem Pferderücken zu verschmelzen. Ein dritter düst mit seinem Motorrad nebenher. Ihre vom Wetter gegerbten Gesichter strahlen dabei vor Lebensfreude – echte Gastfreundschaft.

Auf den Spuren der Vergangenheit

Einen Tipp befolgend wollen wir in Hailar traditionelle Speisen testen. Auch hier flattern uns bunte Einladungen entgegen. Nach einem starken Begrüßungsgetränk nehmen wir in einer Jurte Platz und lassen uns das spezielle Essen schmecken: viel Lammfleisch in unterschiedlichster Zubereitungsform und Gemüse. Zur musikalischen Unterhaltung spielt eine Morin Khuur – die berühmte „Pferdekopf-Fiedel“. Der Gesang ähnelt einem kehligen Gurgeln. Die begleitenden jungen Sängerinnen bestechen durch ihre ausdrucksstarken Augen und mit ansonsten starren Gesichtszügen. Ihre Lieder handeln von Geschichten um den Helden der Mongolei Dschingis Khan. Als Großkhan vereinte er von 1206 bis 1227 als Erster die mongolischen Stämme und eroberte weite Teile Zentralasiens sowie Nordchinas. Noch heute wird seine Person von den Menschen im Land verehrt.

Auf dem Rückweg nach Manzhouli erzählt uns unsere Übersetzerin Xing einige Geschichten. Am spannendsten finden wir die Sage über seine Beerdigung: Den Bestattungsort haben tausend Reiter mit den Hufen ihrer Pferde eingeebnet – und sie sollen nach ihrer Rückkehr sofort hingerichtet worden sein, damit sie den genauen Ort niemandem verraten konnten. Bis heute wurde das Grab nicht gefunden.

Tradition – und Moderne

Am nächsten Morgen fahren wir in die Region Agete Bay und Shua Ma Pile, wo der Überlieferung nach Dschingis Khan reiten lernte. Mit Respekt wandern wir über seine Steppe. Auf dem Weg zurück stoppen wir zum Mittagsmahl in Altan Emel. Neben dem obligatorischen Lamm probieren wir Suutei Tsai – gesalzenen Milchtee mit starkem Eigengeschmack. Zum Abschluss besuchen wir ein Dorf am Stadtrand. Jurte an Jurte reihen sich Unterkünfte aneinander. Auf persönliche Einladung dürfen wir in eine der Jurten eintreten. Trotz anfänglicher Irritation stellt sich schnell ein Gefühl von Geborgenheit ein. Vielleicht liegt es an der Großmutter, die uns ein ehrliches Lächeln schenkt. Wir können uns gut vorstellen, wie sie am Abend ihrem Enkel Geschichten aus einer anderen Zeit erzählt. Dieser interessiert sich augenscheinlich nur für seinen Computer. Auch hier hält die Moderne Einzug.

Lost in Translation

Zurück in Manzhouli fliegen wir am Abend nach Peking. Chinas Hauptstadt ist nach der unendlichen Steppe das krasse Gegenteil. Das pulsierende Leben lässt sich aus unserem Hotelfenster verfolgen, wohnen wir doch im China World Summit Wing, dem höchsten Gebäude der Stadt. Von hier oben liegt uns Peking zu Füßen – die Hektik ist weit entfernt. Zumindest bis zum nächsten Morgen. Der Super-GAU jedes Reisenden in einem Land mit extremer Beamtenmentalität tritt ein: Der Reisepass einschließlich Visum ist weg. Laut Hotelmanagement benötigt ein neuer Ausweis fünf Arbeitstage. Heute ist Donnerstag und der Rückflug startet am Sonntagmorgen. Es hilft nichts: In Begleitung des chinesischen Hotelangestellten Herrn Yin Yibo machen wir uns auf unsere „Mission Impossible“. Erste Station ist eine Polizeiwache. Das Protokoll sowie die Erstellung der Verlustanzeige erfolgt ausschließlich auf Chinesisch, dafür ohne Hektik. Dank Herrn Yin spüre ich Zuversicht aufkeimen. Allerdings geht es jetzt nicht zur Botschaft, sondern zum staatlichen Administration Service Center. Durch den extremen Verkehr im strömenden Regen verlieren wir wertvolle Zeit. Ich werde immer kleiner auf dem Rücksitz und der erst kürzlich gewonnenen Zuversicht droht ein jähes Ende.

Im Beamtendschungel

Im Center angekommen, muss ich zunächst Passbilder anfertigen lassen. Das „Fotostudio“ ist ein schmuckloser Raum mit einer gelangweilten Dame am PC. Herr Yin übersetzt ihre unmotivierten Anweisungen: Kinn etwas runter, Kopf höher, weiter so, reicht – und Brille ab. Zum Bezahlen in den Keller. Rechter oder linker Counter? Die Entscheidung für die linke Seite war natürlich falsch. Ab nach rechts und wieder Zeit verloren. Weiter zum Schalter 25. Hier hat sich in der Zwischenzeit Herr Yin angestellt. Die Dame spricht zur Abwechslung Englisch und ist sehr freundlich. Nun zum Counter 38. Auch hier noch einmal alle Angaben schriftlich und als Belohnung gibt es einen Stempel. Damit machen wir uns auf den Weg zur deutschen Botschaft.

Nach der Sicherheitsschleuse versuche ich, mir in dem Gewusel einen Überblick zu verschaffen. Neue Ausweise gibt es am Schalter 10, allerdings erst am Nachmittag. Ich habe Glück und treffe auf eine verständnisvolle Dame. Geduldig hört sie sich mein Problem an und entscheidet, ihre Mittagspause zu verschieben. Auch hier komme ich nicht darum herum, drei Seiten auszufüllen und weitere Passbilder abzugeben. Doch schon nach 30 Minuten halte ich meinen Pass in der Hand – bis mir gesagt wird, dass jetzt noch die größte Herausforderung bevorsteht: ein neues Visum. Das dauere fünf Arbeitstage. Mit letzter Kraft bitte ich um ein offizielles Empfehlungsschreiben.

Ein Lächeln zum Schluss

Wieder zurück am Counter 38 im Administration Service Center werden wir gebeten, eine Nummer zu ziehen. Nach Aufruf begeben wir uns zum Schalter 33. Kurzer Blick in die Unterlagen. Nein, definitiv nicht möglich. Jetzt schlägt Herrn Yins große Stunde. Was auch immer er gesagt hat – wir dürfen jetzt den Vorgesetzten sprechen. Er prüft das offizielle Schreiben der Botschaft. Alles auf Deutsch, allerdings scheinen die großen Stempel mächtig Eindruck zu machen. Er gibt uns seinen Segen – mit einem noch größeren Stempel. Das Knallen auf dem Papier klingt wie Musik in unseren Ohren. Am nächsten Schalter tanzen weitere Stempel übers Papier. Am Samstagmorgen können wir die neue Identität abholen und die Reise beenden. Wie dankt man den Hotelmitarbeitern und im besonderen Herrn Yin für die große Hilfe und Gastfreundschaft? Am besten, ich hänge bunte Fahnen vor dem Hotel auf. Rote, blaue, grüne und gelbe!