Volkswagen Fleet Magazine

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Technik  |  Verbrauch und Emissionen


Der neue WLTP-Prüfzyklus

Ab Herbst dieses Jahres steht der gesamten Automobilbranche eine wichtige Veränderung bevor: die sukzessive Einführung des WLTP-Prüfzyklus für PKW und leichte Nutzfahrzeuge. Fleet Driver stellt die wesentlichen Neuerungen vor.

Der bisherige NEFZ geht, WLTP kommt:

Ab September 2017 werden in vielen Ländern Testverfahren zur Ermittlung von Kraftstoffverbrauch und Abgasemissionen sukzessive durch den Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicle Test Procedure (WLTP) abgelöst. Auch wenn der Name des neuen Prüfverfahrens für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf den ersten Blick etwas sperrig erscheinen mag, bringt es eine ganze Reihe greifbarer Vorteile mit sich. Diese liegen einerseits in der besseren Vergleichbarkeit, die sich dank einheitlicher Fahrprofile und Messprozeduren ergibt; darüber hinaus zielt die Teststruktur von WLTP auf eine deutlich realitätsnähere Abbildung der Verbrauchs- und Emissionswerte.

 

Entwickelt wurde WLTP seit November 2007 von Experten der Europäischen Union, Japan und Indien nach UNECE-Richtlinien (Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen). Als Basis hierfür dienten weltweit gesammelte Fahrdaten.

WLTP-ZYKLUSPHASEN je nach Leistungsgewicht (hier Klasse 3)

Verbrauchs- und Abgaswerte möglichst realitätsnah zu erfassen – das war der Leitgedanke bei der Entwicklung von WLTP. Entstanden ist ein 30-minütiger Fahrzyklus, der durch den Einbezug von Fahr daten aus vielen verschiedenen Ländern repräsentative Ergebnisse liefern soll. Auf dem Prüfstand durchlaufen die Fahrzeuge daher verschiedene Zyklusphasen. Diese sind gekennzeichnet durch Parameter wie Durchschnittsgeschwindigkeit, Streckenlänge oder Dauer.

WLTP versus NEFZ – ein Vergleich

Was hat WLTP bisher gültigen Testverfahren voraus? Die zentralen Verbesserungen des neuen Prüfzyklus lassen sich zum Beispiel in einem Vergleich mit dem seit 1997 in der EU gültigen NEFZ verdeutlichen. Bei beiden Methoden wird das Fahrzeug auf einem sogenannten Rollenprüfstand unter Laborbedingungen gemessen – allerdings sind die Rahmenbedingungen und Vorgaben bei WLTP strenger. Einflussfaktoren sind:

• Geschwindigkeit

Im Rahmen von WLTP hat das Fahrprofil eine höhere Durchschnitts- und eine höhere Höchstgeschwindigkeit.

 

• Dynamik

Das WLTP-Prüfverfahren integriert deutlich mehr Beschleunigungs- und Abbremsvorgänge. Zudem kommen Konstantfahrten, wie sie beim NEFZ zu finden sind, nur für eine Dauer von wenigen Sekunden vor.

 

• Fahrzeugausstattung

Anders als der NEFZ berücksichtigt das WLTP-Verfahren auch Sonder- und Zusatzausstattungen, die sich auf den Verbrauch und die Emissionen auswirken können – für den Kunden muss bereits bei der Fahrzeugkonfiguration der CO2-Wert des Fahrzeugs ersichtlich sein. Sonderausstattungen wie Klimaanlage und Sitzheizung bleiben bei den Prüfverfahren ausgeschaltet, können jedoch das WLTP-Ergebnis durch ihr Gewicht beeinflussen.

WLTP-Umsetzung

Das neue Prüfverfahren WLTP wird in der Europäischen Union schrittweise eingeführt. Dabei gelten für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge unterschiedliche Fristen. Erster Stichtag für WLTP im Pkw-Bereich ist der 1. September 2017. Ab diesem Datum müssen zur Typgenehmigung eines neuen Modells Verbrauchs- und CO2-Werte nach WLTP ermittelt werden. Zum 1. September 2018 gilt WLTP dann für alle Neufahrzeuge – also auch für laufende Modelle, deren Typgenehmigung noch auf Basis von NEFZ erfolgt ist. Dies hat zur Folge, dass diese Fahrzeuge von den Herstellern ab diesem Zeitpunkt mit WLTP-Werten auszuweisen sind.

STEP BY STEP – Meilensteine der WLTP-Umsetzung

WLTP für leichte Nutzfahrzeuge

In diesem Segment sind die Fristen etwas großzügiger gestaltet. Ab dem 1. September 2017 gilt WLTP zunächst nur für neu entwickelte Fahrzeuge der Kategorie N1 Klasse I – das heißt: Modelle mit einer Bezugsmasse von weniger als 1.305 Kilogramm, und ab 1. September 2018 für alle neuzugelassenen Modelle der Kategorie N1 Klasse I. Die Bezugsmasse setzt sich zusammen aus der Leermasse eines Fahrzeugs inklusive 75 Kilogramm (Fahrer), 100 Prozent Betriebsstoffen und 90 Prozent Tankfüllung sowie zusätzlichen 25 Kilogramm. Ab dem 1. September 2018 müssen die Hersteller für neu entwickelte leichte Nutzfahrzeuge der Kategorie N1 Klassen II und III WLTP-Werte ausweisen. Ab 1. September 2019 ist dies auch im Nutzfahrzeugbereich für alle Modelle verpflichtend.

 

Für wen wird WLTP relevant?

WLTP ist eine gesetzlich verbindliche Zulassungsvoraussetzung und gilt gleichermaßen für alle Hersteller.

AKTUELLE VS. ZUKÜNFTIGE RAHMENBEDINGUNGEN NEFZ vs. WLTP

In welchen europäischen Ländern wird WLTP eingeführt?

WLTP wird in den EU-28-Ländern sowie in Norwegen, Island, der Schweiz (und Liechtenstein) und in den EU Anwenderstaaten Türkei und Israel eingeführt.

Wie betrifft WLTP die bereits zugelassenen Fahrzeuge?

Grundsätzlich gilt: Für bereits zugelassene Fahrzeuge ändert sich durch die Umstellung auf WLTP nichts. Im ersten Schritt der Einführung ab 1. September 2017 ist WLTP zunächst für neue Typengenehmigungen relevant; diese muss der Hersteller bei den jeweils zuständigen Behörden beantragen, wenn er ein neues Fahrzeug auf den Markt bringen will oder sich bei einem Modell wesentliche technische Änderungen ergeben. Ab 1. September 2018 sind die WLTP-Richtlinien dann verpflichtend für alle Neuzulassungen.

 

Welche steuerlichen Auswirkungen sind durch WLTP zu erwarten?

In vielen Ländern bemisst sich die Kraftfahrzeugsteuer zu einem Teil an den CO2- Emissionen eines Fahrzeugs. Inwieweit das neue Prüfverfahren diese Regelung beeinflusst, ist bis heute (Stand: April 2017) jedoch nicht eindeutig geklärt und wird noch im jeweiligen nationalen Recht geregelt.

VERGLEICH NEFZ/WLTP Details der Testverfahren

Für das WLTP-Prüfverfahren werden erstmals auch Sonderausstattungen berücksichtigt. Warum?

Sonderausstattungen können das Gewicht oder die Aerodynamik des Fahrzeugs verändern und damit auch den Verbrauch sowie die Emissionen beeinflussen. Bei der Auswahl von Sonderausstattungen während der Konfiguration eines Fahrzeugs wird somit künftig erkennbar sein, wie sich der CO2-Wert des Fahrzeugs verändert.

 

Kann man mit der Einführung von WLTP mit einer exakten Übereinstimmung von ermitteltem Laborwert und realem Fahrverbrauch rechnen?

In der Realität hängen Verbrauch und CO2-Emissionen eines Fahrzeugs von einer Vielzahl an Faktoren ab, die sich auch mit dem WLTP-Prüfzyklus nicht 1:1 im Labor rekonstruieren lassen. Einen zentralen Faktor stellen hier die unterschiedlichen Fahrstile dar – das heißt: Wenn zwei Fahrer das exakt gleiche Fahrzeug unter den exakt gleichen Bedingungen im realen Straßenverkehr bewegen, werden sich zwangsläufig unterschiedliche Werte er geben, etwa durch individuelles Beschleunigungs- und Bremsverhalten.