Volkswagen Fleet Magazine

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Lifestyle  |  Olaf Rebbe, Sportdirektor VFL Wolfsburg


Der VfL-Dirigent

Nach einer schwierigen Saison steht Sportdirektor Olaf Rebbe nach dem Ausscheiden von Klaus Allofs beim VfL Wolfsburg in der sportlichen Verantwortung. Im Interview mit Fleetdriver erklärt er, wie er die vergangene Saison empfand und welche strategischen Ziele der VfL für die Zukunft hat.

Fleet Driver: Herr Rebbe, als Sie zum VfL Wolfsburg kamen, waren Sie für viele Fans ein eher unbekanntes Gesicht. Hat sich das geändert und wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Olaf Rebbe: Ich kam ja bereits 2013 mit Klaus Allofs zum VfL Wolfsburg. Zum Ende des letzten Jahres bin ich dann stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Wenn man sich den Verein wie ein Orchester vorstellt, bin ich zwar nicht der alleinige Dirigent, achte aber darauf, dass im Sportbereich alles vernünftig funktioniert. Mit zwei Trainer- und dem Managerwechsel Ende des vergangenen Jahres lag die Priorität für uns zunächst auf dem Klassenerhalt. In diesem Jahr haben die Geschäftsführung und ich dann eine komplette Restrukturierung des Bereichs vorgenommen, vieles hinterfragt und neu angestoßen.

„Die Essenz des Fußballs sind auch die Menschen, die ihn mit Leben füllen. Aber es ist vor allem ganz viel Arbeit.“

Fleet Driver: Sie waren selbst nie Fußball-Profi und sind nicht wesentlich älter (39) als die Spieler – ist das ein Problem? Wie verschaffen Sie sich die für Ihren Job nötige Autorität?

Olaf Rebbe: Vielen Dank für das Kompliment (lacht) – aber inzwischen sind einige Spieler im Kader mehr als 20 Jahre jünger als ich. Das ist aber kein Problem für mich, meine Arbeit steht für Inhalte. In erster Linie sehe ich mich als Teamplayer, der am Ende aber auch die Entscheidungen treffen muss. Meine Autorität habe ich mir durch langjährige Erfahrung in der Bundesliga und durch Leistung im Verein erarbeitet.

Fleet Driver: Was ist für Sie die Essenz des Fußballs?

Olaf Rebbe: Die Essenz des Fußballs sind auch die Menschen, die ihn mit Leben füllen. Aber es ist vor allem ganz viel Arbeit. Vereine werden heute wie Wirtschaftsunternehmen geführt, so firmiert der Verein als VfL Wolfsburg-Fußball GmbH. Wir denken wirtschaftlich, berücksichtigen aber dennoch die Emotionen. Im Fußball bewegen wir uns in einem unkalkulierbaren Umfeld und sind von den sportlichen Einflüssen abhängig. Das Ungewisse macht natürlich auch den Reiz des Fußballs aus – trotzdem versuchen wir genau dieses Ungewisse durch vernünftige Entscheidungen sichererer zu gestalten.

Fleet Driver: Als Sie die sportliche Leitung des VfL Wolfsburg übernahmen, lief es sportlich nicht gerade rund. Und auch die kommenden Monate brachten keine Besserung, am Ende entschied das Relegationsspiel gegen Braunschweig über den Klassenerhalt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Olaf Rebbe: Das war eine schwierige Phase: Die halbe Liga war im Abstiegskampf. Nicht nur für mich, für uns alle war es eine intensive Zeit, weil hier in Wolfsburg so viel mit dem Fußball verbunden ist. Zu jedem Spiel kommen im Schnitt rund 28.000 Zuschauer, das ist ein Fünftel der Wolfsburger Bevölkerung. Der Trainer und ich haben aber immer an die Mannschaft geglaubt und wir haben dann glücklicherweise auch die Relegation erfolgreich bestritten.

Fleet Driver: Wie wollen Sie den VfL wieder auf Kurs bringen?

Olaf Rebbe: Wir haben seit dem Sommer einen großen Umbruch eingeleitet und im Sportbereich alle Abteilungen und Positionen hinterfragt. Dazu gehören das Teammanagement, der Leistungsdiagnostikbereich sowie die Neuausrichtung der medizinischen Abteilung. Leistungsträger und gestandene Spieler haben den Verein verlassen, die wir wiederum mit Augenmaß durch neue ersetzt haben. Dazu gehören zum Beispiel Paul Verhaegh vom FC Augsburg und Ignacio Camacho vom spanischen FC Malaga – beides erfahrene Spieler, die auf und neben dem Platz eine Führungsrolle einnehmen und den Talenten im VfL den Weg vorgeben. Wir versuchen die richtige Mischung zwischen Erfahrung und Jugend zu finden.

Fleet Driver: Was konnten Sie bereits umsetzen?

Olaf Rebbe: Ein wichtiger Baustein des Profifußballs ist natürlich der Nachwuchs, weswegen wir im Jahr 2015 als Dachmarke die VfL-Fussball.AKADEMIE gründeten, in der alle Nachwuchsmannschaften zusammengefasst werden. Aus dem Nachwuchs generieren wir entweder Bundesliga-Spieler für unser Team oder Transfererlöse, wie mit Jannes Horn, der ab dieser Saison beim 1. FC Köln spielt. In unserer neuen Kaderplanungspolitik wird idealerweise jede Position mit einem gestandenen Spieler und einem Herausforderer besetzt. Als gutes Beispiel für unsere Nachwuchsarbeit wird ja immer gerne Maximilian Arnold genannt. Er ist ein wichtiger Spieler in unserem Kader und wurde diesen Sommer mit der U21-Nationalmannschaft als Kapitän Europameister.

Fleet Driver: Wofür steht der „neue“ VfL?

Olaf Rebbe: Für Arbeit, Fußball, Leidenschaft – wie es unser Slogan sagt. Wir sind ein Werksclub, wir stehen – auch mit Blick auf Volkswagen – für Arbeit. Der VfL gehört seit 20 Jahren der Bundesliga an – übrigens einer von 13 Vereinen. Ein großer Teil der Menschen, die für die Volkswagen-Marken arbeiten, steht voll hinter dem Verein und das hat auch etwas mit Leidenschaft zu tun. Unsere Fans stehen in dem Zusammenhang für sich. Sie haben einen großen Verdienst daran, dass wir im letzten Jahr noch die Kurve bekommen haben.

Fleet Driver: Bayern München und Borussia Dortmund waren vor kurzem auf großer Werbetour in Asien – wie bewerten Sie diese strapaziösen Reisen?

Olaf Rebbe: Ich finde es gut, dass die Vereine diese Reisen gemacht haben, weil sie dazu beitragen die Bundesliga attraktiver zu machen. Auch der VfL Wolfsburg war schon viermal in China und wird auch künftig wieder dorthin reisen. Alle in der Bundesliga aktiven Vereine erhoffen sich höhere TV- und Sponsoringeinnahmen – deshalb führt kein Weg an der Internationalisierung vorbei. Das haben uns die spanischen und englischen Vereine mit ihrem Schritt nach Asien vorgemacht. Auch der VfL ist in China verstärkt aktiv: mit Engagements unserer A-Junioren beim chinesischen Weifang Cup, den wir übrigens gewinnen konnten, mit unserer Fußballschule und auch mit unserer offiziellen Repräsentanz in Peking.

Fleet Driver: Als einer Ihrer bislang größten Coups gilt die Verlängerung mit Mario Gomez. Wie kam es dazu?

Olaf Rebbe: Die Signale, die Mario Gomez gesendet hat, waren schon in der Rückrunde positiv. Nach dem Klassenerhalt haben wir uns dann zusammengesetzt und gute Gespräche geführt. Mario Gomez ist ein ein Paradebeispiel dafür, wie man einen Club nach außen authentisch verkörpert, und ist nicht umsonst in dieser Saison Kapitän unserer Mannschaft.

Fleet Driver: Der Wechsel des spanischen „Sechsers“ Ignacio Camacho vom FC Málaga zum VfL Wolfsburg ist perfekt. Welche Erwartungen haben Sie an den 27-jährigen?

Olaf Rebbe: Er kann ein Spiel aus einer defensiven Position nach vorne antreiben und passt einfach gut zu uns. Ignacio lernt zurzeit intensiv die deutsche Sprache und wir hoffen, dass er unseren und auch seinen eigenen Anspruch bestätigen kann.

Fleet Driver: Wie stehen Sie zu den immer höheren Transfersummen?

Olaf Rebbe: Fußball ist ein wichtiger Teil der Gesellschaft, nahezu jeder beschäftigt sich damit und zahlt indirekt darauf ein. Durch die besser dotierten TV-Verträge, verfügen auch die Clubs über höhere Einnahmen, die wiederum für Spielertransfers genutzt werden. Natürlich sind extrem hohe Ablösesummen in der Öffentlichkeit schwerer nachzuvollziehen, dennoch lassen wir uns von ihnen als Verein nicht blenden. Wir gehen hier beim VfL Wolfsburg mit dem verfügbaren Geld gewissenhaft um und denken, dass wir durch nachvollziehbare Transfers wirtschaftlich erfolgreich sein können.

„In erster Linie sehe ich mich als Teamplayer, der am Ende aber auch die Entscheidungen treffen muss.“

Fleet Driver: Was haben Sie sich als Ziel für die kommende Saison vorgenommen?

Olaf Rebbe: Nach der letzten schwierigen Saison müssen wir uns vor allem stabilisieren, sind aber trotzdem ambitioniert und wollen eine gute Saison spielen.

Fleet Driver: Auf welche Begegnung freuen Sie sich besonders?

Olaf Rebbe: Besonders freue ich mich auf die Spiele gegen die Vereine in der Nachbarschaft – wie Hannover 96 oder Hertha BSC, weil sie aufgrund der Nähe einen besonderen Reiz haben. Natürlich aber auch auf die Highlights mit dem FC Bayern oder dem BVB – und aufgrund meiner Herkunft auch auf den VfB Stuttgart.

Fleet Driver: Abschließende Frage: Ihr Lieblingsfahrzeug aus den Volkswagen Konzern ist der …?

Olaf Rebbe: Das ist zweifelsohne der Golf – er begleitet mich schon mein ganzes Leben. Angefangen bei einem gebrauchten Golf II in braun-metallic kann ich mir heute den Luxus erlauben einen Arteon als Dienstwagen zu fahren – sportliches Understatement, gefällt mir sehr gut.