Volkswagen Fleet Magazine

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Lifestyle  |  Dieter Hecking im Interview


Das Ziel ist immer vorn

Wenn es läuft, dann läuft es. Oder auch einmal nicht. Dieter Hecking gibt Einblicke in die Kunst, sich immer neu zu motivieren und das Ziel nie aus den Augen zu verlieren.

Fleet Driver: Herr Hecking, Sie starteten zum Jahreswechsel 2012/13 als Trainer beim VfL Wolfsburg, der auf dem 15. Tabellenplatz stand. Zum Ende der Saison schafften Sie noch Platz 10. 2015 war sogar das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte, Ihre Mannschaft gewann den DFB-Pokal und den Supercup. Die Saison 2015/16 verlief dagegen eher durchwachsen. Was haben Sie sich für die nächsten Jahre sportlich vorgenommen? Wenn man Fans und Konzern fragt sind die Ziele ja recht ambitioniert …

Dieter Hecking: Ziele sollten ambitioniert sein. Und Sie haben vollkommen Recht: es war eine durchwachsene Saison. Aber das gehört meiner Meinung nach zur Entwicklung und zum Aufbau einer Mannschaft, die dauerhaft unter den Top 4 der deutschen Bundesliga spielen soll, dazu: dass du nicht nur die guten Tage mitnimmst, sondern auch die Tage an denen es mal nicht so läuft. Aus denen kann man viel mehr lernen. Wir waren ja sehr schnell auf die Erfolgsspur gekommen, nachdem Klaus Allofs und ich übernommen hatten. Aber dieses Jahr haben alle gemerkt, dass es eine Sache ist, eine Spitzenmannschaft zu werden, aber eine andere Sache, eine zu bleiben. Das große Ganze muss mitwachsen, wir wollen uns dauerhaft etablieren, künftig wieder unter den Top 4 sein. Das ist unsere Ambition in den nächsten Monaten und Jahren.

Welchen Stellenwert hat in Ihrer Trainingsarbeit das Thema Motivation?

Dieter Hecking: Motivation besitzt natürlich einen hohen Stellenwert. Allerdings verfügt jeder Spieler normalerweise auch über ein hohes Maß Eigenmotivation, hat den Antrieb, auf allerhöchstem Niveau zu spielen. Das bedeutet allerdings für jeden etwas anderes: Junge Spieler sind froh, im Kader zu sein. Wer schon ein bisschen was erreicht hat, will Stammspieler werden. Stammspieler wiederum wollen international spielen, wollen in die Nationalmannschaft. So hat ja jeder seine persönlichen Ziele und eine entsprechend hohe Eigenmotivation. Es wäre fatal, wenn das nicht so wäre. Trotzdem bedarf es natürlich immer wieder einer motivierenden Ansprache, muss der Trainer im richtigen Moment der Saison auch Ansatzpunkte finden, die Spieler zu begeistern. Als Cheftrainer die Mannschaft jedes Wochenende wieder einzustellen ist eine Aufgabe, die in diesem Jahr vielleicht nicht immer gelang.

Sind die Anforderungen an Trainer und Stab in den letzten Jahren gewachsen?

Dieter Hecking: Allerdings. Zum einen auf der medialen Seite. Wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, steht es nicht mehr erst morgen in der Zeitung, sondern erscheint fünf Minuten später online. Du musst dich angesichts dieser ständig neuen Aussagen immer wieder neu orientieren. Auch in der täglichen Trainingsarbeit sind die Anforderungen gewachsen. Die Spieler wollen mehr gefordert werden, damit sie ihr Leistungsoptimum abrufen können. Und als Cheftrainer hast du einen größeren Trainerstab zu betreuen. Früher hatte ich einen Co-Trainer, mittlerweile sind es zwei plus ein Torwarttrainer und zwei Athletik-Trainer. Früher gab es einen Physiotherapeuten, heute sind es drei. Der ganze Stab ist größer geworden und der muss – genau wie die Mannschaft – geführt werden, auch da entscheidet die Motivation. Darüber hinaus steigt auch die öffentliche Wahrnehmung. Du musst Dich dem stellen, musst analysieren, Dich auf kritische Fragen vorbereiten. Das Spektrum ist deutlich größer geworden, es bleibt nicht mehr bei der reinen Trainingsarbeit auf dem Platz.

Wie schaffen Sie es – unabhängig von Saisonzeitpunkt und Tabellenstand – bei Ihren Spielern immer die volle Leistung abzurufen?

Dieter Hecking: Erst einmal ist es wichtig, jeden Spieler individuell so top vorzubereiten, dass er seine optimale Leistung bringen kann. Da sind wir schon bei der wesentlichen ersten Komponente, der Grundvoraussetzung: sie müssen alle gesund sein. Dieses Jahr haben wir gesehen, dass das nicht unbedingt leicht ist, wirklich wichtige Leistungsträger sind über Wochen ausgefallen. Sie wieder an ihre optimale Verfassung heranzuführen, ist ein langer Prozess. Wenn WIR die einzelnen Spieler dann auf Topniveau haben, geht es darum, das Mannschaftsgefüge gut aufzustellen. Je weniger Veränderung in der Aufstellung stattfindet, umso besser. Die Abläufe sind klarer, Automatismen greifen schneller als wenn Du jedes Wochenende zwei, drei Veränderungen vornehmen musst. Aber auch das kommt natürlich vor.

Jeder Spieler ist anders – gibt es dennoch einen gemeinsamen Nenner, über den Sie jeden Spieler emotional erreichen können?

Dieter Hecking: Nein, dafür sind die Spieler zu individuell. Jeder geht anders mit Kritik um, jeder geht anders mit Lob um. Du kannst vielleicht drei, vier über dieselbe Ansprache packen, aber nicht alle.

Teamorientierung wird bekanntlich nicht bei allen Profimannschaften groß geschrieben. Wie gehen Sie das Thema Teamentwicklung an?

Dieter Hecking: Fußball ist Mannschaftssport, wenn du nur auf Egoisten und individuelle Qualität setzt, wird es nicht funktionieren. Teambuilding-Maßnahmen sind sinnvoll, allerdings wiederholt sich das irgendwann und verliert an Reiz. Wichtig ist, innerhalb der Mannschaft etwas entstehen zu lassen, ohne Input zu geben. Das beste Zeichen ist, wenn aus der Gruppe heraus Teamabende entstehen – ob zum Play Station spielen oder zum Bowling – und die Spieler einige Stunden beisammen sind. Idealerweise entsteht die Teamorientierung natürlich über den sportlichen Erfolg. Aber auch über den Misserfolg – denn der schweißt ebenfalls zusammen. Wenn man erleben muss, dass sich die Gegner auf einen stürzen, alle Druck auf die Mannschaft machen – dann kann eine Wagenburgmentalität entstehen: Wir wollen da durch und wir schaffen das zusammen.